Amazon – Vorbild im E-Commerce? (2)

Erster Versuch: „Schnellkochtopf“ über die Suchmaske

Das Eingabefeld der Suche ist fast so breit wie eine sechsspurige Autobahn. Sehr komfortabel. Ich gebe Schnell… und – schwupps, das Wort ist noch nicht zu Ende getippt, schlägt mir Amazon mehrere Begriffe vor. Zugegeben, eine Vorschlagsfunktion hätte ich bei Amazon auch erwartet. Ich entscheide mich für den Begriff „Schnellkochtopf in Küche und Haushalt“ und bekomme 459 Ergebnisse angezeigt.

Wie finde ich nun unter 459 Produkten „meinen“ idealen Schnellkochtopf? Die Produktliste lässt sich nach „beste Ergebnisse“ (was das wohl ist?), „Topseller“ und auf- bzw. absteigendem Preis sortieren. Eine userfreundliche Möglichkeit, die zahlreichen Ergebnisse in den Griff zu bekommen.

In der linken Randspalte gibt es jede Menge Filter, nach  Versandoption, Marke, Kundenrezension, Neuheiten, Preis, Anbieter und Verfügbarkeit. Am interessantesten finde ich den Filter „Kategorien“ mit der Untergruppe „Kaffee, Tee & Espresso“. Rätselhaft.  Ein Schnellkochtopf nur für Heißgetränke, das macht mich neugierig: Klick! Angezeigt wird das Produkt „Fissler vitaquick Schnellkochtopf 4,5 ltr., induktionsgeeignet“. Es handelt sich um einen gewöhnlichen Schnellkochtopf, mit dem man auch Essen zubereiten kann.

Offensichtlich ist hier etwas bei der Zuordnung schief gelaufen. Wie die „besten Ergebnisse“ eindeutig ein Usability-Fehler, denn man soll dem User niemals Rätsel aufgeben. Oder wie der Experte sagt: „Don’t make me think!“

Zweiter Versuch: Über die Produktnavigation

Die Produktnavigation befindet sich, erwartungskonform, in der linken Randspalte. Ich klicke auf „Küche, Haus & Garten“ danach auf „Kochen & Essen“ und dann auf „Schnellkochtöpfe & Zubehör“. Die Navigation ist übersichtlich, schnell und logisch und auch eine Breadcrumb-Navigation fehlt nicht.

Die Produktliste weist jetzt 344 Ergebnisse auf. Das sind 115 Produkte weniger als beim ersten Versuch, obwohl hier das Zubehör noch dabei ist. Ein weiteres Rätsel. In der Randspalte sind jetzt neue Filter hinzugekommen, die beim ersten Versuch nicht zu sehen waren: Material und Durchmesser. Ich entscheide mich für Amazon als Anbieter, die Marke Fissler, sortiere nach Kundenbewertungen und klicke auf den „Fissler 62030004000 Schnellkochtopf vitavit premium 4,5 Liter“.

Anzahl der Suchtreffer bei Amazon

Die Darstellung des Produktes

Wo soll ich anfangen? Der Weg ist das Ziel – und der Weg zum Schnellkochtopf hält unglaublich viele Abzweigungen und Umwege bereit. Ich hätte theoretisch auch die Möglichkeit, mir jetzt Pampers liefern zu lassen und dabei 10% zu sparen, wie mir das Banner oben auf der Seite vorschlägt.

Was mich bei Amazon schon immer gestört hat: Man muss weit nach unten scrollen, bis man endlich die Produktbeschreibung findet. Bis ich erfahre, was der Topf alles kann, werden mir einige Hindernisse in den Weg gestellt: Details zur Lieferung, zum Overnight-Express, eine Liste mit Hersteller-Service-Informationen, noch mehr Töpfe und Ersatzdeckel (ich weiß doch noch nicht einmal über diesen hier Bescheid), die Produktmerkmale „Fissler SKT VITAV.P REM 4.5L 62030004000“ (warum fühle ich mich jetzt nicht informiert?), was andere Kunden gekauft haben (das interessiert mich doch jetzt nicht). Dann immerhin die Information, dass der Topf 3,9 kg wiegt.

„Möchten Sie Feedback zu den Produktabbildungen geben?“ Möchte ich nicht. Ich will einen Schnellkochtopf kaufen, aber dazu muss ich wissen, was der alles kann. Ich möchte jetzt auch keine gesponsorten Links anklicken und darüber sollte Amazon froh sein. Dann kommt endlich die Produktbeschreibung.

Positiv: Preis und Verfügbarkeit werden prominent dargestellt. Auf sieben, qualitativ hochwertigen Fotos wird der Topf aus unterschiedlichen Perspektiven dargestellt. Der User kann sich ein gutes Bild, auch über die Details machen. Das Produktvideo dazu ist gut gemacht, sehr informativ und mit 1:25 Minuten Länge wird die Geduld des Users sicher nicht überstrapaziert.

Im dritten und letzten Teil lesen Sie, welche Überraschungen der Bestellprozess bei Amazon für den User bereit hält.
Hier geht’s zum ersten Teil: Amazon – Vorbild im E-Commerce? (1)

Quellen

Krug, Steve: Don’t make me think! Web Usability – das intuitive Web.
2. Aufl., Heidelberg 2006