Amazon – Vorbild im E-Commerce? (1)

Amazon, 1995 als Online Buchhandlung gelauncht, gilt als einer der innovativsten Anbieter im E-Commerce. Das Unternehmen war das erste, das Social Commerce-Anwendungen wie Kundenrezensionen und automatische Empfehlungen (Kunden, die X gekauft haben, haben auch Y gekauft) in einem Online Shop eingeführt hat. Heute sind diese Anwendungen im E-Commerce Standard. Als revolutionär gilt auch das so genannte „1-click“-Shopping, mit dem Artikel schnell und unkompliziert bestellt und bezahlt werden können.

Amazon ist mit 1,6 Milliarden Euro Jahresumsatz der größte Web-Shop in Deutschland.  Das Sortiment gleicht inzwischen dem eines Kaufhauses. Seit dem 1. Juli 2010 bietet Amazon auch Lebensmittel online an.

Für Verärgerung unter den Amazon-Verkäufern sorgte eine Änderung der Verkaufsbedingungen, die der Online-Marktplatz zum 31. März 2010 einführte. Demnach dürfen Händler, die Waren über Amazon verkaufen, diese Waren nirgends billiger anbieten als dort. Unlängst sorgten zudem Meldungen für Unruhe, wonach die iPhone-App für Amazon nicht alle Informationspflichten nach dem  deutsche Fernabsatzgesetz erfüllt, was für Händler, die darüber Waren anbieten, juristische Folgen haben könnte. Außerdem wurde der Marktplatz vor kurzem abgemahnt, weil er bei den Lebensmitteln im Angebot nicht ausreichend über deren Inhaltsstoffe informiert.

Dennoch ist Amazon immer außerordentlich erfolgreich. Mit Recht?  Ich habe den Test gemacht und, weil das hier die Marketing-Kitchen ist, einen Schnellkochtopf bestellt.

Die Startseite

Die Startseite eines Online Shops sollte den Besucher emotional ansprechen und ihm das Gefühl vermitteln „hier bin ich richtig“. Inzwischen setzt man immer häufiger auf großformatige, ausdrucksstarke Bilder, die den User in den Shop „hineinziehen“.  Solche Bilder findet man z. B. bei Mode-Shops oder automobilen Webseiten:

Mini Startseite

Nicht ganz einfach für Shops wie Amazon, die viele unterschiedliche Produkte anbieten. Welches soll man in den Mittelpunkt stellen? Shops mit einem breiten Sortiment können dem User verschiedene Einstiegsmöglichkeiten bieten. Über Teaser, über die Navigation, über die Suche.

So sieht die Startseite von Amazon aus:

Amazon Startseite

Teaser. Viele Teaser.

Nach Expertenmeinung ist es eine Todsünde, zu viele Teaser auf die Startseite zu packen. Die Abbildungen sind vergleichsweise klein, mit viel Weißraum dazwischen. Lediglich der Header und die linke Randspalte bieten eine visuelle Orientierung. Für mich hat diese Startseite – ehrlich gesagt – den Touch von „Schweinebauch“ und erinnert mich an Kaufhäuser wie Woolworth oder Karstadt. Doch im Gegensatz zu diesen Unternehmen ist Amazon außerordentlich erfolgreich.

Ablenkungen durch Banner

Weiter unten auf der Seite entdecke ich noch eine weitere Todsünde: Ein Banner des Mode-Shops Marc O‘Polo.

Niemals nie nicht sollten Web-Shop-Betreiber Banner von anderen Anbietern auf ihrer Seite zulassen. Auch von Google AdSense Anzeigen raten Experten ab. Alle Links, die den Besucher von der eigenen Seite wegführen, sind Conversion Killer par Excellence. Amazon ficht das offenbar nicht an.

Die Zusatz-Einnahmen, die Amazon durch Bannerwerbung generiert, überwiegen wohl die Verluste, die durch die Abwanderung von Kunden entstehen. Als Unternehmen mit einem enormen Bekanntheitsgrad kann sich Amazon eine solche Strategie leisten, denn viele Kunden werden auch wieder auf die Webseite zurückkommen. Andere Online-Shops, sollten jedoch die Finger von Werbeeinschaltungen auf ihrer Webseite lassen.

Erfahren Sie im zweiten Teil, wie ich den Schnellkochtopf und einige Usability-Fehler bei Amazon gefunden habe. Hier geht’s zum zweiten Teil: Amazon – Vorbild im E-Commerce? (2)

Quellen:

Wikipedia
Statista

Erfolgsfaktor Startseite – E-Shop-Tipp INTERNET WORLD Business 29.6.2010