Christian Wulff und die Conversion Rate

Was hat unser Bundespräsident mit der Conversion Rate von Webseiten zu tun? Die Antwort lautet: Für beide ist eine schlechte Informationspolitik höchst gefährlich. Die intransparente Informationspolitik von Wulff hat dazu geführt, dass ihm lt. einer Online-Umfrage der Financial Times Deutschland nur noch 9% Prozent der Bevölkerung vertrauen (Stand 12.1.2012). Für Bundespräsidenten und für Webseiten gilt: Wer Dinge auslässt, absichtlich oder unabsichtlich falsch darstellt  oder scheibchenweise präsentiert, verscherzt es sich mit seiner Zielgruppe.

In einem kürzlich durchgeführten Test des Usability-Experten Jacob Nielsen scheiterten 55% der Probanden an ihrer Aufgabe aufgrund mangelhafter Informationen. Informationslücken sind demnach veritable Conversion-Killer.

So vermeiden Sie den Wulff-Effekt

1. Checken Sie Ihre Pflichtangaben

Vollständige Informationen schaffen Vertrauen. In der Politik und auf Webseiten. Vor allem die  Pflichtangaben müssen vollständig und korrekt sein. Wer hier schludert, lebt doppelt gefährlich. Er riskiert nicht nur das Vertrauen seiner Besucher, sondern auch eine Abmahnung.

2. Informieren Sie über Ihr Unternehmen

Im angelsächsischen Sprachraum nennt man ein stationäres Geschäft „brick and mortar store“ – ein Bild das Vertrauen schafft: Ziegelsteine und Mörtel. Webseiten haben es schwer, so reell, glaubwürdig und präsent zu erscheinen, wie ein physisches Geschäft.

Nutzen Sie deshalb den Über-uns-Bereich, um Ihre User ausführlich über Ihr Unternehmen zu informieren und so Vertrauen zu schaffen. Viele Webseiten-Betreiber verwechseln allerdings Information mit Marketing-Bla-Bla. Das ist hier nicht gemeint. Namen und Fotos der Geschäftsleitung und wichtiger Mitarbeiter, Fotos der Firmengebäude und zwei bis drei Sätze zur Unternehmensgeschichte schaffen Sympathie und Vertrauen.

3. Beschreiben Sie Ihre Produkte genau

Der Bundespräsident wird nicht von der Bevölkerung, sondern von der Bundesversammlung bestimmt. Doch Ihre User haben die Wahl, ob sie bei Ihnen oder bei Ihrem Wettbewerber bestellen. Niemand kauft gern die Katze im Sack. Achten Sie deshalb auf aussagekräftige Produktbeschreibungen.

Produktdetailseite mit Tasche

Wie lang sind die Henkel dieser Tasche? Aus welchem Leder genau ist sie gemacht? Wie sieht sie innen aus? Genauigkeit bei der Beschreibung des Materials und der Abmessungen zahlt sich aus – auch im Hinblick auf Ihre Retourenquote.

Damit die Produktbeschreibung aussagekräftig wird, aber trotzdem nicht in eine Bleiwüste ausartet, empfiehlt es sich, die Informationen zu gliedern. Zahlreiche Anbieter sind inzwischen dazu über gegangen, auf weitere Details zu verlinken. Schön gelöst zum Beispiel bei Trigema: Die wichtigsten Eigenschaften werden stichpunktartig aufgezählt, weitere Informationen sind verlinkt.

Produktdetailseite Trigema

Informationen werden nicht nur über den Text vermittelt, sondern auch über Bilder und Videos. Ansichten aus verschiedenen Perspektiven (und bei Taschen z. B. auch von innen) sind inzwischen, zumindest in der Modebranche, State of the Art.

4. Beteiligen Sie Ihre Bürger User

Auf manche Aspekte kommt man oft gar nicht von selbst – Stichwort „Betriebsblindheit“. Userbewertungen und -kommentare sind deshalb eine ausgezeichnete Möglichkeit, Produktinformationen anzureichern. Außerdem sorgen sie für ein besseres Suchmaschinen-Ranking, seit Google auch Bewertungen mit einbezieht.

5. Verwirren Sie Ihre User nicht

Achten Sie auf konsistente Informationen bzw. auf ein konsistentes Wording. Wenn der Link „FAQ“ lautet, sollte das Linkziel nicht plötzlich „Häufige Fragen“ heißen.

Dieses Regal aus dem Webshop eines schwedischen Möbelhauses kann der Beschreibung nach als Raumteiler verwendet werden. In den detaillierten Produktinformationen heißt es jedoch: „Dieses Möbelstück unbedingt mit dem beigepackten Beschlag an der Wand befestigen.“ Widerspricht sich das nicht?

Produktdetailseite Ikea

Beschreibung Ikearegal

6. Keine Salamitaktik bei den Konditionen

Versandkosten, Lieferzeiten und Zahlungsmöglichkeiten sollten transparent kommuniziert werden. Ihre Kunden sollten die genaue Höhe der Versandkosten nicht erst im Checkout erfahren müssen.

Sehr ärgerlich für den User und rechtlich fragwürdig ist es auch, wenn die Lieferzeiten nicht eingehalten werden. Da ist in der Produktbeschreibung „sofort lieferbar“ angegeben, in der Bestellbestätigung dauert es dann schon eine Woche und in Wirklichkeit ist das Paket nach zwei Wochen immer noch nicht beim Kunden. Wenn der Kunde dann auch noch per Vorkasse bezahlen musste, wird er Ihr Unternehmen vermutlich genau so schätzen, wie die meisten Deutschen ihren derzeitigen Bundespräsidenten.