Mousetracking

Vom klassischen Usability-Test über Online Meinungsumfragen bis hin zum Eye-Tracking haben sich inzwischen eine Vielzahl von Methoden etabliert, mit denen man das Nutzerverhalten erforschen kann.

Mousetracking gehört zu den neueren Verfahren. Hierbei werden die Mausbewegungen der Website-Besucher mit Hilfe einer speziellen Web-Analyse-Software live aufgezeichnet. Dadurch lässt sich erkennen, wie die Besucher die Navigationspfade und Prozesse der Seite wirklich nutzen. Hürden können schnell und einfach erkannt werden.

Was mir an diesem Verfahren gefällt: Man benötigt keine aufwendigen Testszenarien oder gar ein Labor, sondern kann die Tracking-Software relativ einfach selbst installieren.

Ich habe die Software Visitor Motion der Firma Etracker ausprobiert. Sie läuft auch auf WordPress-Blogs, aber leider nicht auf allen Templates. Bei mir funktioniert sie erst, seitdem ich ein  kostenpflichtiges Template verwende.

Die aufgezeichneten Mausbewegungen lassen sich wahlweise pro Besucher oder aggregiert pro Seite anzeigen. Außerdem gibt es eine gesonderte Auswertung für Formulare. Interessant für Shopbetreiber, die z. B.  ihren Checkout überprüfen möchten, denn hier sieht man genau, wo der Besucher beim Ausfüllen zögert oder gar abbricht.

Aufgezeichnete Besucher

Die Übersicht zeigt Uhrzeit und Datum des Besuches, Verweildauer, die Herkunft des Besuchers, den verwendeten Browser und die Bildschirmgröße – letztere ist besonders interessant im Hinblick auf das Scrollverhalten und die Gestaltung des sofort sichtbaren Bereiches.

Mousetracking Übersicht

Klickt man auf den Play-Button, wird der Besuch mit seinen Mausbewegungen in der vom Besucher verwendeten Bildschirmgröße abgespielt. Aufgezeichnet werden reine Mausbewegungen, Scrollen, Klicks und gleichzeitige Mausbewegungen sowie Klicks der jeweiligen Maustasten.

Hier zum Beispiel hat ein Besucher erst nach unten gescrollt (grüne Linie), danach die Maus nur bewegt (graue Linie):

Mousetracking Aufzeichnung

Mein persönlicher Erkenntnisgewinn aus den Aufzeichnungen: Ich konnte sehr genau sehen, welche Textstellen in meinen Artikeln nur überflogen und welche offenbar genau gelesen wurden. Die Aufzeichnungen laufen dann entweder schneller oder langsamer ab.

Aufgezeichnete Seiten

Hier gibt es mehrere Darstellungsmöglichkeiten: Die sogenannte Visibility Map zeigt zum Beispiel, welche Seitenabschnitte im sichtbaren Bereich der Besucher liegen. Je wärmer die Farbe, desto sichtbarer. Hier die Visibility Map meines Impressums:

Mousetracking Visibilty Map

Die Motion Map zeigt, ähnlich wie eine Eye-Tracking-Heatmap die Hotspots der Mausbewegungen auf. Hier wieder das Impressum:

Mousetracking Heatmap

Fazit

Durch Mousetracking lassen sich wertvolle Erkenntnisse über das Userverhalten gewinnen. Die Besucher meines Blogs benutzten ihre Maus auf höchst unterschiedliche Weise. Manche huschten schnell über einzelne Seiten hinweg, andere bewegten sich behäbiger. Manche klickten scheinbar unmotiviert im Text umher, während andere sich sehr zielgerichtet bewegten.

Um durch Mousetracking aussagekräftige Daten zu erhalten, ist es deshalb wichtig, dass ausreichend Traffic zur Verfügung steht  – sonst verfälschen einzelne Extrembeispiele von Mausbenutzung die Statistik.

Die Mousetracking-Software ist ein praktisches Werkzeug für die Optimierung einer Website. Denn sie zeigt, ob ein Element auf einer Website wahrgenommen wird oder nicht. Warum ein Element nicht funktioniert – und wie man es besser machen kann -, das verrät die Software freilich nicht. Dafür bedarf es eines umfassenden Optimierungskonzeptes.