Usability von Partei-Websites – Teil 1: CDU

Reichstag in Berlin bei Nacht, Quelle: Ziko, Own WorkAm 22. September 2013 ist Bundestagswahl. Ein guter Anlass, die Websites der fünf großen Parteien CDU, FDP, SPD, Grüne und Linke einmal durch die Usability-Brille zu betrachten.

Ein Thema, welches wahrscheinlich viele Wähler interessiert, ist das Ehegatten-Splitting. Angenommen, jemand möchte sich über die Position einer Partei zu diesem Thema informieren und sucht dazu deren Website auf. Wie schnell und reibungslos gelangt er zu der gewünschten Information?

Beginnen möchte ich mit der Partei, die zurzeit die Kanzlerin stellt.

Nachtrag

Inzwischen wurde der Internet-Auftritt der CDU einem Relaunch unterzogen. Die Usability hat sich dadurch jedoch nicht verbessert. Es ist nach wie vor schwierig, sich auf der Seite zu orientieren. Übrigens, getestet wurden auch die Seiten der FDP, der SPD, der Grünen und  – ganz aktuell – der Linken.

Die Website der CDU

CDU Startseite

Zunächst fällt auf, dass sich das Logo der CDU in der rechten oberen Ecke befindet. Erwartungskonform wäre eine Platzierung im Header links. Über die Gründe ließe sich jetzt spekulieren – eines sei jedoch vorweggenommen: Auch auf der Internetseite der Partei Die Linke befindet sich das Logo oben rechts.

CDU SucheDie Suche befindet sich erwartungskonform in der rechten Randspalte, gleich unter dem Logo. Damit ist dieses wichtige Element auf Anhieb sichtbar. Die Gestaltung der Suche wirft jedoch Fragen auf, sie ist komplizierter, als sie eigentlich sein müsste. Das Lupensymbol zum Starten der Suche befindet sich hinter dem Suchschlitz, also entgegen der normalen Mausbewegung. Für sich genommen vielleicht eine Kleinigkeit. Kommen jedoch mehrere solcher „Kleinigkeiten“ zusammen, führt das unter Umständen zu Irritation oder gar Ärger beim User.

Was bedeutet „Durchsuchen Sie unsere Artikel auf www.cdu.de“? Welche Artikel? Klickt man auf den Link, gelangt man zu einer erweiterten Suche mit verschiedenen Filtermöglichkeiten. Warum nicht, wie allgemein üblich, mit „Erweiterte Suche“ bezeichnen?

Eingabe „Ehegattensplitting“ in die Suchmaske

Wer die Suche mit der Entertaste startet, gelangt zu dieser Trefferliste:

DU Trefferliste (Entertaste)

Wer dagegen auf die Lupe klickt, gelangt – ohne Ergebnis – zur erweiterten Suche:

DU Trefferliste (Lupensymbol)

Gleiche Eingabe, verschiedene Ergebnisse – sehr irritierend. User, die die Lupe benutzen, müssen eigentlich zu dem Schluss gelangen, dass die CDU zum Thema „Ehegattensplitting“ keine Meinung hat. Der gravierende Usability-Fehler ließ sich im Test mehrmals reproduzieren.

Der Treffer mit dem Label Pressemitteilung, trägt die Überschrift „Rot-grüne Steuererhöhungspläne gefährden Arbeitsplätze“. Geht es hier wirklich um Ehegattensplitting? Klickt man auf „Weiter“ um sich die ganze Pressemitteilung anzusehen, landet man bei einem Interview, das n-tv.de mit dem Generalsekretär Hermann Gröhe geführt hat. Eine Pressemitteilung ist etwas anderes als ein Interview, das Wording ist nicht nur inkonsistent, sondern schlicht falsch.

In dem Interview geht es zunächst um Finanzhilfen für Zypern. Ehegattensplitting ist einer unter mehreren Punkten, die im Interview angesprochen wurden und erst relativ weit unten zu finden. User, die sich eine klar aufbereitete, gut lesbare Information zu diesem Thema wünschen, dürften von diesem Ergebnis enttäuscht sein.

Recherche über die Navigation

Die Hauptnavigation unterteilt den Internet-Auftritt der CDU in ein „Portal“ und eine „Parteiseite“. Übrigens, auch das ist schlecht für die Nutzerorientierung: Auf der Portalseite ist die Suche in der rechten, auf der Parteiseite in der linken Randspalte. Auf der Parteiseite gibt es eine Kategorie „Themen“ mit der Unterkategorie „Politik A-Z“.  Das Thema „Ehegattensplitting“ ist hier zwar nicht direkt aufgeführt, dafür aber das Thema „Finanzen/Steuern“. Die Auswahl an Fundstellen ist groß. Wahrscheinlich werden aber die wenigsten User die Mühe auf sich nehmen und Beitrag für Beitrag über Informationen zum Ehegattensplitting durchforsten.

U Themen: Steuern/Finanzen

Mit etwas Glück findet man die Position der CDU zum Ehegattensplitting in dem Faltblatt (PDF) „Wir haben die Kraft für gerechte Steuern“:

CDU Position zum EhegattenBeurteilung

CDU_Icon_MerkelDie Suche auf der CDU-Website ist stark optimierungsbedürftig. Sie führt nicht zu einem zufriedenstellenden Ergebnis. Insgesamt macht der Internet-Auftritt der CDU übrigens einen sehr heterogenen Eindruck. Manche Bereiche wirken altbacken, andere wieder recht modern – und zum Teil sogar mit einer Prise Humor, wie das Icon für Angela Merkel. Nicht nur wegen der mangelhaften Usability sondern auch wegen des uneinheitlichen Webdesigns wäre die CDU mit einem Relaunch gut beraten.

Zu den anderen Artikeln dieser Serie

Usability von Partei-Websites – Teil 2: FDP
Usability von Partei-Websites – Teil 3: SPD
Usability von Partei-Websites – Teil 4: Bündnis 90/Die Grünen

Titelbild: Reichstag in Berlin bei Nacht, Quelle: Ziko, Own Work

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo Bärbel,

    also dein Urteil über die Internetseiten der Piraten würde mich auch interessieren.

    Viele Grüße!

    Michael

    • Mal sehen, wenn ich nach den fünf etablierten Parteien noch Lust dazu habe, schreibe ich auch etwas über die Piraten :-)