Usability von Partei-Websites – Teil 2: FDP

Reichstag in Berlin bei Nacht, Quelle: Ziko, Own WorkAnlässlich der bevorstehenden Bundestagswahl werden in dieser Artikelserie die Websites der fünf großen Parteien unter die Lupe genommen. Im ersten Teil stand der Internet-Auftritt der CDU auf dem Prüfstand.

In diesem Beitrag geht es darum, wie die Freien Demokraten in Sachen Usability abschneiden. Um das herauszufinden, soll nach der Position der FDP zum Thema „Ehegattensplitting“ gesucht werden.

Die Website der FDP

Grafisch ist die Seite der FDP professionell und interessant gemacht. Der große animierte Teaser mit den abgesofteten Grafiken ist ein echter Hingucker – vor allem vor dem dunkelblauen Hintergrund. Wie bei der CDU befindet sich auch bei der FDP das Logo in der rechten oberen Ecke. Erwartungskonform wäre eine Platzierung im Header links.

Die Suche befindet sich in der unteren Hälfte des direkt sichtbaren Bildschirmbereichs und wird somit nicht auf Anhieb wahrgenommen. Auf den längeren Unterseiten rutscht die Suche weiter nach unten und gerät dann sogar below the fold. Ein wichtiges Element wie die Suche sollte sich  immer an der selben Stelle befinden, um die Orientierung nicht unnötig zu erschweren.

FDP Startseite

Eingabe „Ehegattensplitting“ in die Suchmaske

Die Gestaltung der Suche an sich ist klar und verständlich. Die FDP verwendet die Suchfunktion von Google (google custom search). Die Treffer zum Begriff „Ehegattensplitting“ werden in der google-typischen Formatierung ausgegeben:

FDP Trefferliste Ehegattensplitting

Diese Darstellung der Treffer hat Vor- und Nachteile. Vorteile: Die Überschriften und die Textausschnitte (snippets) lassen gleich erkennen oder zumindest erahnen, worum es geht. Das Suchwort ist fett hervorgehoben, auch das hilft bei der Einordnung der Ergebnisse. Außerdem ist die Google-Optik der Suchergebnisliste den meisten Usern vertraut. Nachteile der Google-Optik: Das Corporate Design der Website wird nicht eingehalten und der eine oder andere User wird sich  fragen, ob die aufgeführten Links überhaupt noch zur FDP-Website gehören. Unter Usability-Gesichtspunkten nicht optimal, denn es sollte für den User stets klar sein, wo er sich gerade befindet.

Eine Sortierung der Ergebnisse, zum Beispiel nach Datum oder Relevanz ist nicht möglich. So bleibt dem User nichts anderes übrig, als mehrere Treffer nach der gewünschten Information zu durchsuchen. In zahlreichen Fundstellen geht es darum, dass homosexuelle Ehepaare in steuerlicher Hinsicht den heterosexuellen gleichgestellt werden sollen. Doch wie ist die Position der FDP zum Ehegattensplitting generell? Offensichtlich will die FDP die „Steuerklasse V abschaffen“, wie es in dem gleichnamigen Beitrag heißt.

Recherche über die Navigation

Neben der Hauptnavigation im Header wartet die FDP-Website noch mit zwei weiteren Navigationsleisten auf. Diese Anordnung ist für die Orientierung ebenfalls nicht optimal. Die Schreibweise in Versalien dient wahrscheinlich der Hervorhebung. Versalien sind jedoch immer schlechter zu lesen als Normalschrift.

Unter „Themen A-Z“ taucht der Begriff „Ehegattensplitting“ nicht auf – angesichts der vielen Suchtreffer erstaunlich:

FDP Themen A-Z

Die Kategorie „Politik“, Unterkategorie „Steuern“ enthält zahlreiche Beiträge, unter anderem auch den Artikel über die Abschaffung der Steuerklasse V.

FDP zur Steuerklasse V

Informationen über den Standpunkt der FDP zum Ehegattensplitting, für den schnellen Leser auf einen Blick klar und verständlich dargstellt, scheint es jedoch nicht zu geben.

Beurteilung

Die Website der FDP ist ansprechend gestaltet, jedoch sind wichtige Elemente wie Suche und Logo nicht erwartungskonform platziert. Die Benutzerführung könnte optimiert werden. Die Suche selbst funktioniert gut und liefert eine beachtliche Anzahl an Treffern. Doch dann bleibt es dem User überlassen, sich aus den zahlreichen Treffern die gewünschten Informationen zusammen zu suchen. Die Recherche über die Navigation lieferte ebenfalls kein zufriedenstellendes Ergebnis.

Zu den anderen Artikeln dieser Serie:

Usability von Partei-Websites – Teil 1: CDU
Usability von Partei-Websites – Teil 3: SPD
Usability von Partei-Websites – Teil 4: Bündnis 90/Die Grünen

Titelbild: Reichstag in Berlin bei Nacht, Quelle: Ziko, Own Work