Usability von Partei-Websites – Teil 3: SPD

Reichstag in Berlin bei Nacht, Quelle: Ziko, Own WorkNach den Internetauftritten von CDU und FDP geht es heute um die Usability der SPD-Website. Auch diesmal wird wieder nach dem Stichwort „Ehegattensplitting“ gesucht. Wie nutzerfreundlich ist die Suche bei der SPD und wie informativ sind die Ergebnisse aufbereitet?

Die Website der SPD

Obwohl die meisten User das Logo in der linken oberen Ecke einer Website erwarten, befindet sich das SPD-Logo in der Mitte des Headers. Offenbar wurde diese Platzierung bewusst gewählt, wie dem SPD-Styleguide zu entnehmen ist:

„Die SPD ist die Partei der Mitte. Einer linken Mitte in Deutschland. Das war sie schon immer und wird sie immer bleiben. Dem trägt nun auch das Corporate Design der SPD Rechnung. Zukünftig steht daher das SPD-Logo selbstbewusst und fest in der Mitte aller Kommunikationsmittel.“

Die Website der SPD ist mehrere Bildschirmhöhen lang, hier ein Ausschnitt des sichtbaren Bereiches bei einer Bildschirmhöhe von 883 Pixeln:

SPD Startseite (Ausschnitt)

Im Großen und Ganzen wirkt das Webdesign recht professionell. Die Farbgestaltung ist jedoch weniger gelungen. Das Corporate Design der SPD gibt Rot und Purpur als Hauptfarben vor – zwei Farben, die überhaupt nicht harmonieren, ja sich in meinen Augen sogar beißen:

SPD CD: Hauptfarben

Eingabe „Ehegattensplitting“ in die Suchmaske

Die Suche befindet sich oben rechts und wird mit einem Lupensymbol gestartet. Platzierung und Gestaltung der Suche folgen den allgemein üblichen Standards.

Zu dem Suchbegriff „Ehegattensplitting“ werden 142 Treffer ausgegeben. Die mehrere Bildschirmhöhen lange Trefferliste kann durch diverse Filter eingegrenzt werden, was die Auswahl erleichtert.

SPD Trefferliste

Welche Position vertritt die SPD nun konkret beim Ehegattensplitting? Um das herauszufinden, bleibt dem User keine andere Wahl, als die einzelnen Ergebnisse zu durchforsten. Angesichts der zahlreichen Treffer und der recht umfangreichen Texte ist das relativ mühsam.

Im ersten Artikel „Deutschland besser und gerechter regieren“ heißt es, man wolle das Ehegattensplitting zu einem „Partnerschaftstarif für neu geschlossene Ehen“ umbauen. Genaueres erfährt der User in der PDF, die im Artikel verlinkt ist – wobei konkrete Zahlen bzw. Prozentsätze nicht genannt werden:

„In Ehen und eingetragenen Lebenspartnerschaften stehen Partner füreinander ein. Deshalb wollen wir für künftige Ehen ab einem Stichtag anstelle des Ehegattensplittings einen Partnerschafttarif für Ehegatten einführen, bei dem beide Partner individuell besteuert werden, aber dabei die gegenseitigen Unterhaltsverpflichtungen berücksichtigt werden. Für Ehepartner, die ihre Lebensplanung auf das bisherige Steuersystem ausgerichtet haben, wollen wir nichts ändern. Anstelle der Steuerklassenkombination III/V wollen wir das sogenannte Faktorverfahren zur Norm machen. Dabei werden beide Einkommen mit einem gleich hohen Durchschnittssatz besteuert.“

Recherche über die Navigation

Neben der Hauptnavigation im Header gibt es auch noch eine Navigation im Footer. Da die Seite sehr lang und der Footer dadurch sehr weit unten ist, dürften die meisten Besucher die Navigation im Header benutzen. Klickt man auf den Reiter „Themen“, gelangt man zu dieser Seite:

SPD Themen

Die Themen sind nicht von A-Z geordnet und für den User ist nicht erkennbar, welche Logik hinter der Auswahl steckt. Ein eingeblendeter Layer sorgt für eine gewisse Übersicht, doch insgesamt ist die Aufbereitung der Informationen nicht optimal und weder unter „Moderne Familie“ noch unter „Gleichstellung ist ein Grundrecht“ findet sich eine Aussage zum Ehegattensplitting.

SPD Layer Themen

Fazit

Auch die Website der SPD bietet ihren Besuchern keine optimale Orientierung. Wer etwas über die Position der SPD zum Ehegattensplitting erfahren möchte, muss entweder Glück haben oder eine Menge Geduld aufbringen. Suche, Navigation und Aufbereitung der Informationen sollten optimiert werden.

Das Webdesign wirkt moderner als beispielsweise bei der CDU. Durch die unharmonische Farbgebung ist die Seite jedoch an manchen Stellen sehr grell und unangenehm für die Augen. Ein einmal festgelegtes Corporate Design wirft man nicht einfach so über den Haufen. Die SPD wäre jedoch gut beraten, das „Purpur“ in allen Werbemitteln durch eine Farbe zu ersetzen, die besser zum traditionellen Rot passt.

Zu den anderen Artikeln dieser Serie:

Usability von Partei-Websites – Teil 1: CDU
Usability von Partei-Websites – Teil 2: FDP
Usability von Partei-Websites – Teil 4: Bündnis 90/Die Grünen

Titelbild: Reichstag in Berlin bei Nacht, Quelle: Ziko, Own Work