Usability von Partei-Websites – Teil 4: Bündnis 90/Die Grünen

Reichstag in Berlin bei Nacht, Quelle: Ziko, Own WorkHeute wird der Internet-Auftritt der Partei Bündnis 90/Die Grünen unter die Lupe genommen. Wie ist es bei den Grünen um die Website-Usability bestellt?

Die Suche nach dem Begriff „Ehegattensplitting“ befördert Stärken und Schwächen ans Tageslicht.

 Die Website von Bündnis 90/Die Grünen

Im Gegensatz zu CDU, FDP und SPD ist das Logo bei den Grünen erwartungskonform in der linken oberen Ecke platziert. Die Suche befindet sich in der Mitte des Headers und wird von den Besuchern der Seite schnell wahrgenommen. Die Website selbst wird nicht zentriert dargestellt, sondern sie befindet sich am linken Bildschirmrand. Der Hintergrund wirkt dadurch dominanter als es der Seite gut tut. User mit großen Bildschirmen könnte dieser Fehler irritieren.

Grüne Startseite (viewport)

Eingabe „Ehegattensplitting“ in die Suchmaske

Die Suche ist erwartungskonform gestaltet und das Suchfeld ist ausreichend breit. Es ist mit dem Wort „Suchbegriff(e)“ vorbefüllt. Ein wenig irritierend: Die Vorbefüllung bleibt erst einmal da, wenn man mit der Maus in das Feld hineinklickt. Sie verschwindet erst dann, wenn man zu tippen beginnt.

Die Trefferliste kann nach verschiedenen Kriterien sortiert und gefiltert werden, was das Sichten der Ergebnisse erleichtert. Der Filter sollte noch beschriftet werden, damit auch nicht so erfahrene User diese Funktion auf Anhieb erkennen.

Grüne Trefferliste (Ausschnitt)

Die Suche erstreckt sich nicht nur auf die Partei-Website, sondern auch auf die Seiten der Heinrich-Böll-Stiftung und der Bundestagsfraktion der Grünen. Einerseits geraten so auch die anderen Seiten der Grünen ins Blickfeld der User, andererseits ist die Auswahl auch verwirrend. Es besteht die Gefahr, dass User die Partei-Website verlassen und nicht wieder zurück kommen.

Auch bei den Grünen müssen sich die User nun durch die Suchergebnisse klicken, um etwas über die Position der Partei zum Ehegattensplitting zu erfahren. Diese wird relativ klar in dem Beitrag „Das Steuerkonzept der Grünen mit Rechenbeispielen“ dargestellt.

„Wir wollen das Splitting schrittweise abbauen. Weil wir wissen, dass viele Haushalte auf das Splitting angewiesen sind, werden von dieser Reform nur Ehen berührt, in denen das Haupteinkommen sehr hoch ist.“

Grüne_Beispielrechnung

Recherche über die Navigation

Die Hauptnavigation befindet sich relativ weit unten, noch unterhalb des animierten Teasers. Bewegt man die Maus auf den Reiter „Themen“ werden gleichzeitig ein Layer und ein umfangreicher Tooltip eingeblendet. Das Layer wird dadurch zum Teil verdeckt und die erste Unterkategorie ist nicht mehr lesbar:

Grüne Navigation

Darstellung im Firefox

Es wird nicht klar, in welcher Unterkategorie Informationen zum Ehegattensplitting zu finden sind. Fehlanzeige auch bei den „Themen von A bis Z“ – zumindest unter „E“ wie „Ehegattensplitting“:

Grüne Themen "E"

Fazit

Von kleineren Usability-Schwächen abgesehen, funktioniert die Suche ganz gut. Die Position der Grünen zum Ehegattensplitting wird nicht nur textlich sondern auch anhand von mehreren Rechenbeispielen verdeutlicht. Im Hinblick auf die User Experience ist die Information hier optimal aufbereitet. Die Navigation sollte auf jeden Fall optimiert werden. Das gilt auch für das Layout der Seite: Zahlreiche, sehr knallige Teaser konkurrieren miteinander und erschweren so die Orientierung. Die Seite sollte zentriert dargestellt werden.

Zu den anderen Artikeln dieser Serie:

Usability von Partei-Websites – Teil 1: CDU
Usability von Partei-Websites – Teil 2: FDP
Usability von Partei-Websites – Teil 3: SPD

Titelbild: Reichstag in Berlin bei Nacht, Quelle: Ziko, Own Work