Usability von Partei-Websites – Teil 5: Die Linke

Reichstag in Berlin bei Nacht, Quelle: Ziko, Own WorkIm fünften und letzten Teil der Serie über die Nutzerfreundlichkeit von Partei-Websites geht es um die Linke. Auch diesmal wird nach dem Begriff „Ehegattensplitting“ gesucht und die Aufbereitung der Suchergebnisse analysiert. Wie ist es um die Usability bestellt? Kommen die Besucher der Seite schnell zum gewünschten Ergebnis?  Doch als Erstes ist wieder die Startseite dran:

Die Website von Die Linke

Auf den ersten Blick wirkt die Website der Linken relativ aufgeräumt: Alle Teaser befinden sich in der rechten Randspalte, links ist Platz für die jeweiligen Beiträge. Die verwendeten Farben Rot, Schwarz und Grau harmonieren gut miteinander.

Doch wie bei CDU, FDP und SPD ist auch bei der Linken das Logo nicht erwartungskonform platziert. Es befindet sich rechts oben anstatt links oben. Bei der Suche ist es genau umgekehrt: Üblich wäre eine Platzierung in der rechten Randspalte (oder oben in der Mitte). Stattdessen befindet sich die Suche oben links.

Die Linke Startseite (Ausschnitt)

Eingabe „Ehegattensplitting“ in die Suchmaske

Das Suchfeld selbst ist klar und verständlich gestaltet. Es könnte allerdings ein wenig breiter sein, damit man Tippfehler auch bei langen Wörtern auf Anhieb erkennt. Die Suche wird mit einem Klick auf das Lupensymbol gestartet. Nach Eingabe des Suchbegriffs „Ehegattensplitting“ erscheint diese Trefferliste:

Die Linke Trefferliste (Ausschnitt)

Irritierend: Der erste und augenscheinlich relevanteste Treffer mit der Überschrift „Ehegattensplitting“ ist von 2009. Er stammt aus der Rubrik „Rubrik: Wahlen 2009: Themen A-Z“. Manche User mögen sich fragen: Sind diese Informationen im Wahljahr 2013 überhaupt noch aktuell?

Klickt man auf den Link, dann erscheint dieser Text:

Die Linke: Ehegattensplitting

Die Information zum Thema „Ehegattensplitting“ ist am Bildschirm recht mühsam zu lesen. Nur wenige Absätze unterteilen den Text. Augenfreundliche Hervorhebungen oder Aufzählungen fehlen hier. Wer es bis zum Ende des relativ langen Textabschnitts geschafft hat, wird mit der konkreten Position der Linken zur Frage des Ehegattensplittings belohnt:

„Das bedeutet konkret: Jede Frau und jeder Mann ist mit dem eigenen Einkommen unabhängig von der jeweiligen Lebensweise – verheiratet, alleinstehend, geschieden – zu besteuern. Steuerliche Mehreinnahmen, die aus der Streichung des Ehegattensplittings resultieren, sind für die Erhöhung des Kindergeldes zu verwenden.“

Recherche über die Navigation

Direkt unter dem Header befindet sich die Hauptnavigation. Die einzelnen Menüpunkte sind gut lesbar. Allerdings wird nicht auf Anhieb klar, welcher Logik die einzelnen Kategorien folgen. Warum gibt es zum Beispiel unter dem Menüpunkt „Politik“ die Unterkategorien „International“ und „Kommunal“ aber keine Untergruppen für Bund und Länder? Warum findet man die Unterkategorie „Beratung“ nicht unter „Service“, sondern unter „Politik“?

Die Linke Navigation

Zudem ist die Startseite nicht, wie allgemein üblich, mit „Home“, Startseite“ oder einem Haussymbol beschriftet. Stattdessen wird die Aufschrift „Die Linke“ verwendet. Für die Orientierung auf der Seite nicht optimal.

Auf den Unterseiten wird – anstelle der Teaser – eine weitere Navigation in der rechten Randspalte eingeblendet. Auch das entspricht nicht den allgemein üblichen Standards (nämlich linke Randspalte) und erschwert die Orientierung zusätzlich.

Die Linke Unterseite

Da es unter dem Menüpunkt „Positionen“ keine Rubrik zum Steuerrecht gibt, versuchen wir es unter „Themen“. Hier ist ein buntes Sammelsurium von Unterkategorien versammelt.

Möglicherweise bringt uns die Rubrik „Hintergründe: Die Linke ThemenThemen A-Z der Bundestagsfraktion“ weiter, doch auch hier findet sich nichts zum Thema „Ehegattensplitting“.

Fazit

Wer die Suchfunktion benutzt, wird relativ schnell fündig. User, die über die Navigation Informationen zum Ehegattensplitting suchen, werden dagegen enttäuscht und dürften irgendwann frustriert aufgeben. Obwohl die Website der Linken auf den ersten Blick klar gegliedert erscheint, zeigen sich auf den zweiten Blick erhebliche Schwächen in Sachen Nutzer-Orientierung. Die Anordnung wichtiger Elemente ist zum Teil nicht konsistent und erwartungskonform.

Insgesamt wirkt der Internet-Auftritt der Linken relativ nüchtern und brav. Ein paar auflockernde Elemente würden die User Experience verbessern und die Besucher länger auf der Seite halten (Stichwort: Stickyness).

Zu den anderen Artikeln dieser Serie:

Usability von Partei-Websites – Teil 1: CDU
Usability von Partei-Websites – Teil 2: FDP
Usability von Partei-Websites – Teil 3: SPD
Usability von Partei-Websites – Teil 4: Bündnis 90/Die Grünen

Titelbild: Reichstag in Berlin bei Nacht, Quelle: Ziko, Own Work